Die gepiercten Hühnergötter sind auch ein Ergebnis, des Unfugs in meinem Kopf

Diese Seite ist meinem Schwesterchen Yvonne gewidmet, die meinte diesen Unfug müsse die Welt erfahren! Danke Yvonne!

 

 

 

Ein Reiher stakst und findet`s kühl
es frieren ihm die Beine
die Wellen tosen im Gewühl
doch Stiefel hat er keine

Es ist zum Haare raufen
doch er hat ja nur Federn an
die Nase würde ihm auch laufen
was nur mit Nase klappen kann

So steht er da und schaut betroffen
auch eine Mütze hat er nicht
so bleibt nur still zu hoffen
auf etwas Sonnenlicht

Der arme Kerl fühlt sich verraten
warm ist der Menschen Weihnachtsfeier
es riecht nach Lachs und Braten
und draußen friert der Reiher!


Bernd Standhardt 12.2014 Rostock


 

 

 

Was Christian Morgenstern bei seinem Gedicht:
„Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen..“
vergessen hat zu erwähnen:

Was Emma dachte…

Die Menschen sehen alle aus
als ob sie Paule hießen
sie bleiben gar nicht gern zu Haus
sie wollen Fisch genießen

Und wenn mir einmal Hunger droht
dann starte ich von den Giebeln
und schnappe mir ihr Matjesbrot
belegt mit roten Zwiebeln

Oh Möwe, du wirst nie nebenbei
des Menschen Gang erreichen
sofern du Paule heißest, sei
zufrieden ihm zu gleichen.


Bernd Standhardt  28.6.2014  Rostock


 

Kängu

In einem großen Supermarkt
sprang wild ein Kängu
durch die Gänge
es füllte seinen Beutel auf
und kaufte jede Menge
ganz unruhig sprang es hin und her
das Personal war sehr empört
denn schon beschwert sich irgendwer
und ist ganz schlimm verstört.
Doch dieses hektisch, freche Kängu
verschwand bald in der Weinabteilung
die Flaschen klirrten in der Stille
und mit ganz fröhlicher Beeilung
trank sich das Tier auf fünf Promille.
Dann sprang es grölend durch den Laden
bewarf den Chef mit Lauch und Butter
vergnügte sich nach Strich und Faden
und suchte immer weiter Futter.
Ein Kängu, ist es noch so niedlich
betrunken wird es unerträglich
dann ist es böse und nicht friedlich
und sein Benehmen mehr als kläglich.
Nach mehr als vierunddreißig Stunden
das Kängu trug jetzt Damenschuh
ist es im Nichts verschwunden

nun gab das Kängu Ruh.




Rostock 17.11.2013 Bernd Standhardt


 

Wetter

Bei strahlendem Regen
und strömend blauem Himmel
die Sonne ergoss sich
und es schien Bindfäden
keine Wolke am Nebel
der Regen brannte vom Himmel
der Mittag sternenklar
es war klirrend warm
und eine Eiseshitze
der Schnee lachte vom Himmel
es war eine Bullenkälte
der Himmelbogen stand am Regen
die Luft flimmerte vor lauter Hagel
die Sonne türmte sich zu großen Haufen
und in dem Sonnengestöber fragt man sich:

WAS IST NUR MIT DEM WETTER LOS?



Bernd Standhardt  6.2013  Rostock

 

 

Rotwein
In der Not da frisst der Teufel Ziegen
Hopfen und Schmalz war schon verloren
unser klägliches Brot gab`s schon heute
wir hatten uns Reue geschworen.

Wir rissen uns die Leiber vom Kleid
und warfen die Flinte ins Horn
wir wurden zur Schnecke gebracht
und begannen wieder von vorn.

Morgenstund hat Kaffee im Mund
und aller Anfang ist leer
doch uns Glücklichen schlug keine Wunde
wir wussten weniger ist schwer.

Jeder war seines Glückes Lied
unser blindes Tun fand auch ein Korn
und war von Erfolg geföhnt
wir hatten die Nase vorn.

Am nächsten Tag waren wir wieder klar
der Kopf schmerzte und wir beschlossen
dass da wohl was durcheinander war
wir hatten zu viel Rotwein genossen!



Bernd Standhardt 26.5.2013 Rostock


 

Wo ein Wille ist

Wir sprachen über Spott und die Welt
standen wie der Frosch vor dem Berge
wir malten den Teufel an den Strand
und unser Glaube versetzte Zwerge
leben war seliger als nehmen
uns wurde die rechte Backe geschlagen
wir hielten die linke Macke hin
uns schlief das hart auf den Magen
wir wuschen unsere Hände in Ungeduld
und waren der Unfug vom Lande
und wer uns traf übergoss uns
mit schleimigem Schlumpf und Schande
und als echter Unschuldskamm
kamen wir uns in die Haare
so stritten wir drei
und waren vier ungleiche Paare
wir sägten an dem Baum auf dem die Äste saßen
es war alles im grünen Beruf
wir hatten sowieso grünes Licht
von dem der den Unfug erschuf
es blieb kein Wein auf dem anderen
wir riefen ein dreifaches „hipp, hipp, naja“
und genossen Wein, Weib und die See
dann ging uns ein Licht aus
und wir beschlossen
wo ein Wille ist, ist auch ein Kaffee




Bernd Standhardt 18.5.2013 Rostock


 

Wer zuletzt lacht

Wie man in den Wald hinein ruft
so schallt es im Haus
bei der Kommunikativität miteinander
ist reden seliger als nehmen
denn Hunde die bellen
scheißen nicht
wobei beachtet werden muss:
was man nicht im Kopf hat
hat man in kleinen Scheinen
man muss sich informatieren
denn viele können lange reden ohne nichts zu sagen
und wer sagt gewinnt
dennoch ist Reden Silber und Schweigen ein Colt
doch stille Wasser sind Mief
und Wort ist Mord
doch es nutzt auch nichts jedes Wort auf die Goldtrage zu legen
denn man redet sich auch schnell um Kopf und Fragen
und manchen Menschen ist ohnehin nur
eine Laus über die Leberwurst gelaufen
ein Klick sagt mehr als tausend Worte
denn man hält wo man sich versprochen hat
und versprochen ist versprochen
und wird nicht gegessen
Gelassenheit hilft
Worte sind Schwall und Hauch


wichtig: wer zuletzt lacht, lacht nach den Ersten.


Bernd Standhardt 16.5.2013 Rostock


 

Der Steg


Dreckfehler
und Druckfühler
ich bin eine Konifähre
auf diesem Gebiet
emotionell befürchte ich
gelegentlich Einbusen
oder ein psychologistisches Frack zu werden
aber mir imprägniert es
wenn Menschen
die Flinte nicht vor die Säue werfen
und den Kopf nicht in den Schoss legen
sondern alles auf Herz und Leber prüfen
und alles was ihnen im Kopf herum spuckt
hinter sich lassen um vorwärts zu gähnen
schließlich ist noch kein Kleister vom Himmel gefaltet
und wer nicht wagt, der nicht gewöhnt
deswegen denkt alle daran
dem Blutigen gehört die Welt
und es ist noch nicht Allah Tage Abend
sondern der frühe Vogel wurmt sich sehr
und Nachtigall ich hör Deine Strapsen
also Kopf hoch
der Steg ist das Ziel
ohne Fleiß kein Reis
lasst uns in die Ärmel spucken
und die Hände hochkrempeln
wir bringen Deutschland nach Aldi


Bernd Standhardt 5.2013 Rostock

Weihnachtszeit

Weihnacht ist es wieder
der Baum ist längst geschmückt
schön klangen die Lieder
der Braten ist verdrückt

Der Opa will ne Rede halten
da fällt der Baum ganz grade um
der Lichterbogen wird gespalten
und alles endet mit „Kawumm“

Die Oma will den Baum anheben
doch sie wird es verderben
die teure Vase steht daneben
und bricht in tausend Scherben

Der Enkel rutscht vor lauter Schreck
und sein Pantoffel fliegt
in eine Schale mit Gebäck
die dann am Boden liegt

die Kerze ist auch umgefallen
und brennt die schöne Decke an
„oh Tannenbaum“ hört man es schallen
es ist der Chor von Nebenan

der andre Enkel löscht mit Torte
und schmeißt sie auf das Feuer
die Oma ringt um Worte
der Abend wird wohl teuer

Bei dem Versuch sich zu befreien
reißt Opa noch die Schrankwand um
die Oma hört man schreien
und wieder macht s “Kawumm“

Die Enkel staunen und sie heulen
der Oma tut es leid
der Opa kühlt jetzt seine Beulen
Ach – es ist wieder Weihnachtszeit.




Bernd Standhardt 2012 Barnin


 

Der Reiher

An einem schönen stillen Weiher
steht ein richtig große Weide
dort wohnt ein alter grauer Reiher
mit Federn zart wie Seide.

Er liebt es auf dem Ast zu hocken
und auf den schönen See zu sehn
nur ein Fisch kann ihn weglocken
dann sieht man ihn im Wasser stehn

Doch meistens sitzt er auf dem Baum
und träumt von Fisch und wartet
man sieht ihn in den Blättern kaum
nur wenn er kreischend startet

Doch eines Nachts da kommt ein Biber
und frisst den Baum von unten an
er ist verfressen, wie im Fieber
doch was geht das den Reiher an

Jede Nacht kann man es hören
der Reiher schläft nicht mehr
so lautes Knabbern muss dich stören
der Reiher ärgert sich schon sehr.

Der Biber knabbert fröhlich weiter
so hassen sie sich beide
und so zerbeißt er völlig heiter
den Stamm von dieser schönen Weide.

Dann bricht der Baum und neigt sich sehr
der Biber freut sich mächtig
jetzt gibt’s den Reiher bald nicht mehr
dem Biber geht es prächtig.

Der Baum er fällt ganz laut und krachend
was macht der Reiher - armer Tropf?
Man sieht ihn fliegen und lauthals lachend


macht er dem Biber auf den Kopf.


Bernd Standhardt 2012 Rostock

Meise

In einem alten Eichenbaum
brütet eine blaue Meise
der Platz ist so ein echter Traum
so herrlich hoch und leise

doch eines Tages kam ein Specht
erst hörte man ihn kaum
er sah sich um, es war ihm recht
und ihm gefiel der Baum

Erst klopfte er nur ab und an
der Meise ging es gut
sie hörte es nur dann und wann
kein Grund für große Wut

Doch dieser Specht kam immer wieder
und klopfte wie verrückt
der Meise zitterten die Glieder
und sie war nicht entzückt

Sitzt du im Baum und klopft ein Specht
dann wird dir übel alles schwankt
dann wird dir plötzlich richtig schlecht
dann bist Du schlimm erkrankt

Du sitzt im Nest willst leise brüten
und freust Dich auf die Kinder
doch dann beginnt einer zu wüten
ein Specht, ein Schuft, ein Blinder

Er klopft und macht Dich immer wilder
und du wünschst ihm den Tod
so denkst du richtig schlimme Bilder
und schließlich siehst du ROT


Die Meise stürzt sich auf den Specht
in todesmutig grober Weise
er fällt unglücklich - richtig schlecht
und hat ab da

ne Meise



Bernd Standhardt 2010 Mönchengladbach

 

In Brandenburg


Ein depressives „80“ Schild
steht in einer Allee
von rechts wechselt hier rotes Wild
und äst dann links im Klee

Als Schild im tiefsten Brandenburg
ist Leben monoton
es findet sich kein Dramaturg
denn wer bemerkt Dich schon

Ein Autofahrer sah das Schild
und traf den Baum dahinter
die Zeitung brachte gar das Bild
und dann war wieder Winter

Doch eines Abends – war im Mai
hat sich ein Mann getraut
er fuhr nicht einfach nur vorbei
er hat das Schild geklaut

und über der Geburtstagstorte
hing es stolz an der Wand
für Opa mehr als tausend Worte
aus seines Enkels Hand

„So muss das wahre Leben sein“
das Schild biegt sich vor Lachen
und kriegt sich einfach nicht mehr ein
und lacht mit achtzig Sachen



Bernd Standhardt  2010  Barnin
 

Kapern


Ein Schiff
mit übelsten Piraten
stoppt ein Containerschiff
sie wollen an die Ladung
und schreien laut herüber
„Wir werden das Schiff jetzt kapern“
und
„Was habt ihr geladen?“
die Antwort
„Kapern“
„Ja wir werden euch jetzt kapern“
„Was habt ihr geladen?“
„Kapern“
nun reicht es den Piraten
sie entern schnell das Boot
der Kapitän wird vorgeladen
„Was habt ihr geladen?“
„Kapern“
„er steht wohl unter Schock“
doch dieses Schiff ist
voll beladen
mit feinsten, besten Kapern
da fragen die Piraten
„darf man ein Schiff mit
Kapern, kapern?“
„Nein, es dürfen auch nicht Nichten
andere Nichten vernichten“
spricht der Kapitän


das haben sie dann eingesehn



Bernd Standhardt  2009  Halle Saale

Stubenfliege
 

Auf einem alten Ventilator
lebt eine coole Stubenfliege
morgens fährt sie eine Runde
und zu jeder vollen Stunde
gemütlich dreht sie sich im Kreis
doch dieser Tag ist sehr, sehr heiß
und man dreht den Ventilator
plötzlich auf die höchste Stufe
niemand hört mehr ihre Rufe
zu schwindlig um noch selbst zu fliegen
zu schwach das Unglück abzubiegen
schießt sie durch den ganzen Raum
so schnell ist sie – man sieht sie kaum
so endet dieses wilde Leben

denn sie bleibt an der Scheibe kleben




Bernd Standhardt  2009 Wickrath
 

Märchenprinz

Saß ein
Frosch
auf einem Stein
kommt ein zweiter
Frosch dazu.

Wer bist Du?

Ich bin ein Prinz
Du musst nur
einmal leidenschaftlich küssen!

Küssen sich
da sitzt
ein Prinz
auf einem Stein
und ein
Frosch dazu
spricht der Prinz:

Wer bist Du?

Eine Prinzessin bin ich
Du musst nur
einmal leidenschaftlich küssen!

Küssen sich
und küssen wieder
Prinz verliert den Mut
lacht der Frosch:

Bin nur ein Frosch
aber küssen – tust Du gut!



Bernd Standhardt  2008 Wickrath

DICHTER AM STRAND

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bernd Standhardt
Bild- und Textfischer
Foto: J. Nordmann

 


bernd.am.strand@gmx.de
 

Achtung ich habe wieder Zeit Lesungen zu halten!

Aktuelle Lesungen:
"Meer als Worte"
"Meer als Jahreszeiten"
Alle Lesungen sind mit passenden Bildern über Beamer unterlegt.
Anfragen, Buchung, Termine unter: bernd.am.strand@gmx.de

 

Aktuell schreibe ich an Texten für die neue Lesung:
"Meer als Farben".

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